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Es rumpelte, polterte und krachte oben bei
den Fisistöcken. Gletscherteile und mächtige Felsblöcke donnerten ins
Kandertal. Das war vor ca. 15'000 Jahren. Beim Abschmelzen der Eismassen blieben
Trümmerlöcher zurück, unter anderem die damals 18m tiefe Senke des heutigen
Blausees. Vor Zeiten habe der reizende blaue See im oberen Tal der Kander noch
anders aus gesehen als heute. Sein Wasser habe sich nicht von anderen Bergseen
unterschieden. Die Sage erzählt, in der Nähe seiner Ufer habe ein wunderhübsches
Mägdelein mit tiefblauen Augen gewohnt. Es hätte sein Herz an einen
Hirtenjungen verloren. Oft seien die beiden in hellen Mondnächten an dem von
uralten Tannen umstanden Alpsee spazieren gegangen. Zum Zeitvertreib habe der
Hirte einen Kahn auf das klare Wasser des Sees gesetzt und so hätten die beiden
dann verträumte Stunden auf den silbernen Fluten verbracht. Das Glück der
beiden sei aber nicht von Dauer gewesen. Der Hirtenjunge sei beim Einbringen von
Heu im Seiltuche hoch über den Flühen über eine Felswand zu Tode gestürzt.
Von der Zeit an sei das Mägdelein untröstlich gewesen. Zu mitternächtlicher
Stunde sei es immer zum versteckten See geschlichen. Es habe in erschütternder
Klage den Himmel um Wiedergabe des Geliebten angefleht oder aber über die
Grausamkeit des Schicksals gehadert. Nach und nach hätten sich die Sinne des Mädchens
verwirrt. Umsonst seien die Mahnungen der Eltern gewesen, es solle die nächtlichen
Besuche am See aufgeben. Eine geheimnisvolle Macht habe das unglückliche Wesen
immer wieder zu Boot und Wasser hin gezogen. Eines morgens habe man Schiff und
Schifferin auf dem Grunde des Wassers gefunden. Seit dieser Stunde habe der See
eine tiefblaue Farbe. Man erzählt, es seien die Tränen der unglücklichen
Liebe, und das Wasser sei heute ebenso blau wie die Augen des unglücklichen Mädchens
einst gewesen seien. Soviel zu Vergangenheit und Sage.
Der
See ist in den Grundwasserstrom des Kandertals eingesenkt. Das sehr diffizile,
unterirdische Zu- und Abwassersystem ergibt eine geschätzte Durchlaufmenge von
ca. 20’000l/min. Der
Grundwasserstrom ist so gleichmässig, dass der See während des Jahres nur sehr
geringen Temperaturschwankungen unterworfen ist. Im Sommer steigt die Temperatur
nicht über 10° und im Winter sinkt sie nicht unter 6°. So kann der See im
Winter nicht gefrieren.
1878
wurde der sagenumwobene See für die Fremden erschlossen. Eine einfache Pension
wurde an seinen Ufern eingerichtet. Heute hat sich das graue Entlein zum Schwan
gemausert. Die Pension avancierte zum Unique-Hotel am Ufer eines romantischen
Sees inmitten von einem wunderschönen Naturpark.
Damit
auch Taucher dieses kleine Paradies näher kennen lernen, organisiert Thomas
Reiner den Herbstausflug der Mantas nach dem Motto Fahrt ins Blaue westlich der
Reus. Der Blausee sollte das Kernstück des Aktivwochenendes werden. Zu sagen
ist dazu, dass in diesem See nicht einfach so getaucht werden kann. Es handelt
sich um ein Privatgewässer und benötigt eine entsprechende Bewilligung, welche
mit diversen Auflagen verbunden ist.
Der
Herbstausflug ins Kandertal gestaltete sich wie die umgekehrte Geschichte von
„zehn kleinen Negerlein“. Immer mehr Teilnehmer kamen während
der Reise dazu. Am Ufer des Blausees waren es schlussendlich acht. Um 18.00h
waren wir, Doris, Lisa, Mary, Fredi, Hans, Jürg, Thomas und Urs, komplett und
konnten die blauen Tiefen dieses sagenumwobenen Gewässers erkunden.
Klares,
teilweise durch Unterwasserscheinwerfer der Hotelanlage grünblau irisierendes
Wasser erwartet uns. Auf den hohen Armleuchteralgen, welche durchwoben sind mit
grellgrünen Fadenalgen ruhen die ersten rotbraunen Herbstblätter. Grosse und
kleine Forellen huschen durch das samtschwarze Nachtwasser des Sees. Andere
wieder ruhen auf dessen Grund und erholen sich von der Jagd der Fischer, die in
diesen Tagen dem Ausfischen des Sees betreiben.
Neben dem Algengrün leuchten grosse Flächen mit pinkfarbigen
Schwefelbakterien im Licht der Tauchlampen und erinnern an frische Zuckerwatte
der Herbstjahrmärkte.
Der
wirklich schöne und geruhsame Nachttauchgang in einem nicht alltäglich
besuchten See findet nach knapp einer Stunde ein Ende.
Nach
dem Tauchgang gibt es kurz Stress,
denn die Küchenbrigade wartet mit ihrem Menu Surprise. Also huschen wir
ungeschminkt, mit Tauchfransenfrisur und in Strassenmontur, anstatt im
mitgebrachten „kleinen Schwarzen“ und den Lackschuhen zu Tisch und lassen
uns kulinarisch verwöhnen.
Eine
goldene Kürbissuppe mit Lachsforellentartare schwebt an unseren Nasen vorbei
auf den weiss gedeckten Tisch – sie mundet hervorragend.
Im
zweiten Gang folgt ein auf den Punkt gegartes Forellenfilet auf Weisskohl an
einer mit Senf abgeschmeckten Weissweinsauce – wirklich lecker! Das
Hauptgericht lässt auf sich warten, aber schliesslich kommt es doch. Gebratene
Rindshuft an Estragonsauce mit Gemüse und Rahmpolenta soll die Gaumen erfreuen.
Der vierte Gang wird von der sympathischen Frau Küchenchef persönlich
angesagt. Mit Maronimousse oder Waldhonigmousse an Zwetschgenschaum möchte sie
uns zum Abschluss verwöhnen. Aber
klar, auch das lassen wir gerne zu.
Vor
dem Kamin findet der Abend dann sein vervollkommnendes Ende. Wohlige Wärme und
Schlummertrunk verpassen uns bald einmal ein diskretes Gähnen. Ein gelungener
erster Tag neigte sich dem Ende zu. Die
angestrebte Party dauerte nicht allzu lange, die Vernunft siegt, denn der Morgen
sollte ja erneut ein volles Programm mit sich bringen – 6.30 Uhr Tagwach!
Um
7.00 Uhr versammeln wir uns im Neoprenpyjama und voller Montur am Ufer und
gleiten noch vor Ankunft der ersten Fischer, welche bald einmal aus dem Tal
herauf strömen würden ins blaue Wasser. Es ist ruhig im See. Die Forellen
jagen an der Seeoberfläche. Im Gegenlicht zeichnen sich die dunklen Konturen
der Bäume ab und im Blau des Wassers treiben bunte Herbstblätter. Der Seegrund
leuchtet in Giftgrün, Dunkelgrün, Olivefarben, Weiss und Pink. Eine der Senken
ist gefüllt mit zartem Nebel aus Schwefelkristallen. In einer anderen lässt
von unten strömendes Wasser den Sand blubbern. Nach nicht ganz einer Stunde ist
auch dieser schöne Tauchgang zu Ende. Als die Ersten das Nass verlassen, stehen
bereits die Angeljünger am Ufer und werfen ihre Köder aus. Sie möchten gerne
wissen, wo die grössten Tiger zu fangen seien. Ehrensache, dass wir die falsche
Richtung weisen.
Der
nächste Programmpunkt nennt sich Frühstück. Mit Ei, ohne Ei, oder noch ein
Ei. Frisch gepresster Orangensaft gehört im noblen Haus am blauen See genauso
dazu, wie selbstgemachte Marmelade, hausgemachte Brotspezialitäten, Käse,
Wurst und sonst übliches Trallala.
Am
Frühstückstisch wird die Sonntagsroute besprochen. Das nächste Tauchziel
liegt verborgen Thunersee. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheit mit der
Hoteldirektion und dem Abtransport des schweren Gepäcks machen wir uns auf den
Weg zur Schwefelquelle im Thunersee.
Ob
dem Aufmarsch all der VIP’s aus dem Osten präsentierte sich die Quelle von
ihrer netten Seite, so dass das Finale zum krönenden Abschluss dieses
Herbstwochenendes wurde. Am Ende gab es nur
lauter Gesichter die mit der Sonne um die Wette strahlten.
Bombastische
Wetterlag, fast überall klares Wasser und eine Nacht in einem "Unique-Hotel"
machten diesen Herbstausflug, zu
einem einmaligen Erlebnis. Herzlichen Dank an
Thomas Reiner für die
gelungene Organisation! Danke auch allen die dabei waren und das gute Gelingen
mit sonniger Laune unterstützen, dies trotz FRÜHAUFSTEHEN, STAU IM VERKEHR UND
ARBEITSBEDINGTEN STRESSFAKTOREN IM VORFELD des Tauchens.
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