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Blausee - Tauchen in nicht alltäglichen Gewässern
Herbstausflug 2005 des OTC-Manta
organisiert von Thomas Reiner

Es rumpelte, polterte und krachte oben bei den Fisistöcken. Gletscherteile und mächtige Felsblöcke donnerten ins Kandertal. Das war vor ca. 15'000 Jahren. Beim Abschmelzen der Eismassen blieben Trümmerlöcher zurück, unter anderem die damals 18m tiefe Senke des heutigen Blausees. Vor Zeiten habe der reizende blaue See im oberen Tal der Kander noch anders aus gesehen als heute. Sein Wasser habe sich nicht von anderen Bergseen unterschieden. Die Sage erzählt, in der Nähe seiner Ufer habe ein wunderhübsches Mägdelein mit tiefblauen Augen gewohnt. Es hätte sein Herz an einen Hirtenjungen verloren. Oft seien die beiden in hellen Mondnächten an dem von uralten Tannen umstanden Alpsee spazieren gegangen. Zum Zeitvertreib habe der Hirte einen Kahn auf das klare Wasser des Sees gesetzt und so hätten die beiden dann verträumte Stunden auf den silbernen Fluten verbracht. Das Glück der beiden sei aber nicht von Dauer gewesen. Der Hirtenjunge sei beim Einbringen von Heu im Seiltuche hoch über den Flühen über eine Felswand zu Tode gestürzt.  Von der Zeit an sei das Mägdelein untröstlich gewesen. Zu mitternächtlicher Stunde sei es immer zum versteckten See geschlichen. Es habe in erschütternder Klage den Himmel um Wiedergabe des Geliebten angefleht oder aber über die Grausamkeit des Schicksals gehadert. Nach und nach hätten sich die Sinne des Mädchens verwirrt. Umsonst seien die Mahnungen der Eltern gewesen, es solle die nächtlichen Besuche am See aufgeben. Eine geheimnisvolle Macht habe das unglückliche Wesen immer wieder zu Boot und Wasser hin gezogen. Eines morgens habe man Schiff und Schifferin auf dem Grunde des Wassers gefunden. Seit dieser Stunde habe der See eine tiefblaue Farbe. Man erzählt, es seien die Tränen der unglücklichen Liebe, und das Wasser sei heute ebenso blau wie die Augen des unglücklichen Mädchens einst gewesen seien. Soviel zu Vergangenheit und Sage. 

Der See ist in den Grundwasserstrom des Kandertals eingesenkt. Das sehr diffizile, unterirdische Zu- und Abwassersystem ergibt eine geschätzte Durchlaufmenge von ca.  20’000l/min. Der Grundwasserstrom ist so gleichmässig, dass der See während des Jahres nur sehr geringen Temperaturschwankungen unterworfen ist. Im Sommer steigt die Temperatur nicht über 10° und im Winter sinkt sie nicht unter 6°. So kann der See im Winter nicht gefrieren.  

1878 wurde der sagenumwobene See für die Fremden erschlossen. Eine einfache Pension wurde an seinen Ufern eingerichtet. Heute hat sich das graue Entlein zum Schwan gemausert. Die Pension avancierte zum Unique-Hotel am Ufer eines romantischen Sees inmitten von einem wunderschönen Naturpark.  

Damit auch Taucher dieses kleine Paradies näher kennen lernen, organisiert Thomas Reiner den Herbstausflug der Mantas nach dem Motto Fahrt ins Blaue westlich der Reus. Der Blausee sollte das Kernstück des Aktivwochenendes werden. Zu sagen ist dazu, dass in diesem See nicht einfach so getaucht werden kann. Es handelt sich um ein Privatgewässer und benötigt eine entsprechende Bewilligung, welche mit diversen Auflagen verbunden ist.   

Der Herbstausflug ins Kandertal gestaltete sich wie die umgekehrte Geschichte von  „zehn kleinen Negerlein“. Immer mehr Teilnehmer kamen während der Reise dazu. Am Ufer des Blausees waren es schlussendlich acht. Um 18.00h waren wir, Doris, Lisa, Mary, Fredi, Hans, Jürg, Thomas und Urs, komplett und konnten die blauen Tiefen dieses sagenumwobenen Gewässers erkunden.  

Klares, teilweise durch Unterwasserscheinwerfer der Hotelanlage grünblau irisierendes Wasser erwartet uns. Auf den hohen Armleuchteralgen, welche durchwoben sind mit grellgrünen Fadenalgen ruhen die ersten rotbraunen Herbstblätter. Grosse und kleine Forellen huschen durch das samtschwarze Nachtwasser des Sees. Andere wieder ruhen auf dessen Grund und erholen sich von der Jagd der Fischer, die in diesen Tagen dem Ausfischen des Sees betreiben.  Neben dem Algengrün leuchten grosse Flächen mit pinkfarbigen Schwefelbakterien im Licht der Tauchlampen und erinnern an frische Zuckerwatte der Herbstjahrmärkte. 

Der wirklich schöne und geruhsame Nachttauchgang in einem nicht alltäglich besuchten See findet nach knapp einer Stunde ein Ende. 

Nach dem Tauchgang gibt es kurz  Stress, denn die Küchenbrigade wartet mit ihrem Menu Surprise. Also huschen wir ungeschminkt, mit Tauchfransenfrisur und in Strassenmontur, anstatt im mitgebrachten „kleinen Schwarzen“ und den Lackschuhen zu Tisch und lassen uns kulinarisch verwöhnen.   

Eine goldene Kürbissuppe mit Lachsforellentartare schwebt an unseren Nasen vorbei auf den weiss gedeckten Tisch – sie mundet hervorragend.

Im zweiten Gang folgt ein auf den Punkt gegartes Forellenfilet auf Weisskohl an einer mit Senf abgeschmeckten Weissweinsauce – wirklich lecker! Das Hauptgericht lässt auf sich warten, aber schliesslich kommt es doch. Gebratene Rindshuft an Estragonsauce mit Gemüse und Rahmpolenta soll die Gaumen erfreuen. Der vierte Gang wird von der sympathischen Frau Küchenchef persönlich angesagt. Mit Maronimousse oder Waldhonigmousse an Zwetschgenschaum möchte sie uns  zum Abschluss verwöhnen. Aber klar, auch das lassen wir gerne zu.  

Vor dem Kamin findet der Abend dann sein vervollkommnendes Ende. Wohlige Wärme und Schlummertrunk verpassen uns bald einmal ein diskretes Gähnen. Ein gelungener erster Tag neigte sich dem Ende zu.  Die angestrebte Party dauerte nicht allzu lange, die Vernunft siegt, denn der Morgen sollte ja erneut ein volles Programm mit sich bringen – 6.30 Uhr Tagwach! 

Um 7.00 Uhr versammeln wir uns im Neoprenpyjama und voller Montur am Ufer und gleiten noch vor Ankunft der ersten Fischer, welche bald einmal aus dem Tal herauf strömen würden ins blaue Wasser. Es ist ruhig im See. Die Forellen jagen an der Seeoberfläche. Im Gegenlicht zeichnen sich die dunklen Konturen der Bäume ab und im Blau des Wassers treiben bunte Herbstblätter. Der Seegrund leuchtet in Giftgrün, Dunkelgrün, Olivefarben, Weiss und Pink. Eine der Senken ist gefüllt mit  zartem Nebel aus Schwefelkristallen. In einer anderen lässt von unten strömendes Wasser den Sand blubbern. Nach nicht ganz einer Stunde ist auch dieser schöne Tauchgang zu Ende. Als die Ersten das Nass verlassen, stehen bereits die Angeljünger am Ufer und werfen ihre Köder aus. Sie möchten gerne wissen, wo die grössten Tiger zu fangen seien. Ehrensache, dass wir die falsche Richtung weisen. 

Der nächste Programmpunkt nennt sich Frühstück. Mit Ei, ohne Ei, oder noch ein Ei. Frisch gepresster Orangensaft gehört im noblen Haus am blauen See genauso dazu, wie selbstgemachte Marmelade, hausgemachte Brotspezialitäten, Käse, Wurst und sonst übliches Trallala.  

Am Frühstückstisch wird die Sonntagsroute besprochen. Das nächste Tauchziel liegt verborgen Thunersee.  Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheit mit der Hoteldirektion und dem Abtransport des schweren Gepäcks machen wir uns auf den Weg zur Schwefelquelle im Thunersee. 

Ob dem Aufmarsch all der VIP’s aus dem Osten präsentierte sich die Quelle von ihrer netten Seite, so dass das Finale zum krönenden Abschluss dieses Herbstwochenendes wurde. Am Ende gab es nur  lauter Gesichter die mit der Sonne um die Wette strahlten.

Bombastische Wetterlag, fast überall klares Wasser und eine Nacht in einem "Unique-Hotel" machten diesen Herbstausflug,  zu einem einmaligen Erlebnis. Herzlichen Dank an  Thomas Reiner  für die gelungene Organisation! Danke auch allen die dabei waren und das gute Gelingen mit sonniger Laune unterstützen, dies trotz FRÜHAUFSTEHEN, STAU IM VERKEHR UND ARBEITSBEDINGTEN STRESSFAKTOREN IM VORFELD des Tauchens. 

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